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Fake News & Manipulation – von Bubbles, Bots und Hoaxes

Wahr oder erfunden? Echt oder manipuliert? Diese Frage lässt sich im Internetdschungel nicht immer leicht beantworten. Für Kinder und Jugendliche gehört es zu den grössten Herausforderungen, den Wahrheitsgehalt von Text-, Bild- oder Videoinhalten zu beurteilen. Umso wichtiger ist es, dass sie einen kritischen Blick entwickeln und sich Strategien zur Beurteilung von Medieninhalten aneignen. Als Erwachsene sind Sie dank Ihrer Lebenserfahrung wichtige Begleiter in diesem Lernprozess.

51%
DER SCHWEIZER JUGENDLICHEN NUTZEN SOZIALE NETZWERKE TÄGLICH ALS INFOQUELLE (JAMES-STUDIE 2018).
48%
DER 12- BIS 19-JÄHRIGEN STÜTZEN SICH AUF IHR WISSEN, UM MÖGLICHE FAKE NEWS ZU ERKENNEN (JAMESFOCUS 2019).
48 Mio.
TWITTER-ACCOUNTS SIND BOTS, ALSO NICHT VON MENSCHEN GESTEUERT (STUDIE UNIVERSITY OF SOUTHERN CALIFORNIA & INDIANA UNIVERSITY, 2017).
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Gut zu wissen

Kleines ABC der Fake News, Manipulation und Verzerrung

Es gibt zahlreiche Formen von Manipulation und Realitätsverzerrung im Netz: Produktewerbung (häufig auch versteckt platziert), Falschmeldungen, von Social Bots verbreitete Hoax-Meldungen, Gerüchte oder pseudowissenschaftliche Theorien. Wie entstehen sie? Was steckt dahinter? Dazu ein paar Definitionen, Erklärungen und Beispiele:

«To bait» bedeutet «ködern». Reisserische Überschriften und dramatisierte, übertrieben dargestellte Geschichten sollen die Aufmerksamkeit erregen und Klicks generieren, was letztlich die Werbeeinahmen steigert.

Fake News sind bewusst verbreitete falsche Nachrichten mit dem Ziel, die öffentliche Meinung zu manipulieren und Emotionen, Angst und Unsicherheiten auszulösen. Sie kommen meist seriös daher und verbreiten sich auf Social Media oft wie ein Lauffeuer, weil sie überraschend und spannend sind.

Die Filterblasen (engl. filter bubbles) sind das Ergebnis der immer stärker personalisierten Information und Werbung im Internet. Es findet eine unbemerkt ablaufende, automatisierte Auswahl von Inhalten nach den Präferenzen der User statt. Dahinter stehen ökonomische Interessen, da unser Konsumverhalten so gesteuert wird. Die automatische Filterung durch Suchmaschinen und News-Aggregatoren kann zu Verzerrung, Zensur und zu einer Polarisierung der Meinungen führen. Algorithmen liefern heute jedoch nicht mehr nur das, was der User mag, sondern auch Diversität, da sonst Langeweile droht.

Ein Hoax (engl. für Jux, Scherz) verbreitet sich insbesondere über Facebook, Twitter oder Messenger-Dienste wie WhatsApp. Aber auch Aprilscherze, Zeitungsenten und Kettenbriefe zählen dazu. Im Unterschied zu Fake News sind Hoaxes eigentlich immer frei erfunden. Ein Beispiel ist das vermeintliche Social-Media-Spiel «Blue Whale», bei dem die Spieler am Ende aufgefordert werden sollen, Suizid zu begehen. Medien haben das Spiel, das es nicht gibt, mit realen Suiziden von Minderjährigen in Verbindung gebracht.

Satire arbeitet mit Über- oder Untertreibungen, Ironie und Spott, um Personen, Ereignisse oder Zustände zu kritisieren. Es ist eine mediale Kunstform, die aber für Kinder nicht immer erkennbar ist. Bekannte deutschsprachige Beispiele sind «Der Postillon», aber auch «Die Tagespresse».

Social Bots («Bot» ist die Kurzform von Roboter) sind automatisierte Social-Media-Profile, die automatische Antworten und vorprogrammierte Informationen absenden. Manche täuschen eine menschliche Identität vor, um gezielt zu manipulieren. Andere sammeln einfach Informationen und leiten sie weiter. Hinter Trollen stecken hingegen Menschen. Sie wollen irritieren, stören, provozieren und manipulieren. Vor allem auf Twitter sind viele Profile Bots. Eine US-Studie geht von einem Anteil von 9 bis 15 Prozent aus. Bei Facebook ist das Phänomen weniger ausgeprägt. Social Bots werden dann zu einem Massenproblem, wenn deren Tweets von Journalist*innen aufgegriffen werden. Leider geschieht dies aufgrund des ökonomischen Drucks und der Jagd nach Views immer häufiger.

Es gibt viele Beispiele für Verschwörungstheorien: Die Mondlandung, die angeblich nie stattfand; die Terroranschläge vom 11. September 2001, hinter denen angeblich der amerikanische Geheimdienst steckt; Geheimbünde, welche angeblich im Hintergrund die Strippen ziehen, um eine neue Weltordnung zu schaffen. Allen gemein ist das Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat und seinen Institutionen sowie der Versuch, komplexe Zusammenhänge auszublenden und stattdessen Erklärungen aufzustellen, die auf einfachem Gut-und-Böse-Denken beruhen. Das Internet bietet einen optimalen Nährboden, um Verschwörungstheorien zu verbreiten. Die Ansichten werden über soziale Medien geteilt und auf einschlägigen Plattformen diskutiert. Aber auch als politische Propaganda werden Verschwörungstheorien eingesetzt. Zudem vermischen sich solche Theorien oft mit pseudowissenschaftlichen Ideologien.

Wahrheit oder Lüge – wie Jugendliche damit umgehen


Das Internet wird als Informationsquelle gerade für Jugendliche immer wichtiger. 12- bis 19-Jährige nutzen soziale Netzwerke, Videoplattformen und Suchmaschinen öfters als klassische elektronische Medien wie das Fernsehen oder das Radio, um sich über aktuelles Geschehen (Politik, Sport, Promis etc.) up-to-date zu halten (JAMESfocus 2019). Gleichzeitig wird die Glaubwürdigkeit des Internets jedoch als sehr gering eingeschätzt. Rund vier von fünf Jugendlichen halten die Hälfte oder mehr von dem, was sie online lesen oder sehen für unwahr.

Mit diesem Dilemma umzugehen, ist oft nicht leicht. Die meisten Jugendlichen tauschen sich mit der Familie oder mit Freund*innen über den Wahrheitsgehalt von Meldungen aus. Etwa jede*r Zweite nutzt als seriös empfundene Medien oder verschiedene Webportale zur Überprüfung. Genauso viele verlassen sich auf das eigene Wissen und 26 Prozent auf ihr Bauchgefühl. Spezielle Fakten-Check-Tools nutzen lediglich 3 Prozent der befragten Jugendlichen.

In derselben Untersuchung wurden zudem jene Gruppen ermittelt, die anfällig für Fake News sein könnten. Einerseits handelt es sich um jene Jugendlichen, die ohnehin wenig oder kein Interesse am aktuellen Weltgeschehen zeigen. Entsprechend werden ihre Kompetenzen im Umgang mit Nachrichten als gering eingestuft. Andererseits gibt es Jugendliche, die sich hauptsächlich im Familien- und Freundeskreis oder eben online informieren. Bei ihnen besteht ein Risiko, dass sie Meinungen unreflektiert übernehmen.

Umso wichtiger ist es, dass Eltern die kritische Medienkompetenz ihrer Kinder fördern.
 

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Was sollte mein Kind beachten?

Folgende Tipps helfen dem Kind, Fake News, Manipulation und falsche Profile zu erkennen.

  • Quellen-Check: Wer ist für den Inhalt verantwortlich: PR-Agenturen, Aktivist*innen, politische Parteien? Ist die Urheberschaft neutral oder will sie ihre Botschaft verbreiten? Wo und in welchem Format (News, Social Media, Blog, Wiki) wurde die Meldung veröffentlicht? Oft hilft auch ein Blick ins Impressum einer Webseite, um festzustellen, ob es sich um eine professionelle Seite bzw. eine vertrauenswürdige Quelle handelt.
  • Fakten-Check: Wird über das Thema anderswo auch berichtet? Was steht dort dazu? Wird plakativ versucht, Aufmerksamkeit zu erregen, einseitig berichtet oder werden Dinge aus dem Kontext gerissen? Ist die Meldung aktuell? Auch kopierten Inhalten sollte man mit Vorsicht begegnen.
  • Zielgruppen-Check: An wen richtet sich die Nachricht?
  • Werbe-Check: Wieviel Werbung ist auf der Seite? Ist sie klar getrennt von den Nachrichten?

Jugendliche halten Fotos und Videos für glaubwürdiger als geschriebene Nachrichten. Dabei ist für sie vor allem die Ästhetik wichtig: Einem professionell gedrehten Video vertrauen sie mehr als einer verwackelten Handyaufnahme. Bilder und Videos können aber mit den heutigen technischen Mitteln leicht verfälscht werden, z. B. durch:

  • Montagen, Zusammenschnitte und andere Bearbeitungen (→ Selbstdarstellung & Schönheitsideale)
  • Veränderte Lichtverhältnisse
  • Neuer Ausschnitt: Im Fokus ist plötzlich etwas anderes.
  • Anderer Kontext: Das Foto/Video wird aus dem eigentlichen Zusammenhang gerissen, um z. B. einem Artikel eine neue Bedeutung zu verleihen.
  • Verfremdung zu Satirezwecken 

Um herauszufinden, ob ein Foto echt ist, hilft die Bilder-Rückwärtssuche, z. B. über TinEye oder GoogleImages. Indem man das Foto hochlädt oder den Link postet, wird das Netz nach gleichen oder ähnlichen Fotos durchforstet.

Checken, ob ein YouTube-Video tatsächlich neu ist, lässt sich etwa mit dem Dienst von Amnesty International → Weitere nützliche Infos

  • Account/Profil: Erscheint das Profil seriös? Wird ein falscher Name benutzt? Ist das Foto echt?
  • Posts: Behandeln sie immer das gleiche oder ähnliche Themen? Wird viel gepostet, zu jeder Uhrzeit, vielleicht sogar jeden Tag die gleiche Anzahl?
  • Interaktion: Bots reagieren meist sehr schnell. Wie ist der Schreibstil? Werden immer wieder dieselben Wörter benutzt? Kommen viele Grammatikfehler vor? Erhält er viele Likes?

Auch für Hoaxes gibt es verschiedene Anzeichen. Dazu gehören:

  • Reisserische Schlagwörter, z. B. «kein Scherz!», «wichtig!»
  • Drastischer Inhalt (Sprache, Fotos)
  • Simulierte Aktualität
  • Nicht nachvollziehbare Quelle, kein Impressum
  • Einzelmeldung (keine anderen Medien berichten über das Thema)
  • Aus dem Kontext gerissene Inhalte

Tools und Tutorials helfen dabei, Fake News, falsche Profile und manipulierte Fotos oder Videos zu erkennen: →  Weitere nützliche Infos

Wichtig

Wachsam sein und Online-Inhalte kritisch hinterfragen.

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Was können Eltern tun?

Informieren und kritisches Denken fördern

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass nicht alles, was im Internet steht, auch wahr ist. Erklären Sie, wie wichtig es ist, Dinge kritisch zu hinterfragen - seien es Nachrichten, Meldungen, Fotos oder Videos.
  • Suchen Sie nach Beispielen von Fake News, manipulierten Bildern etc. und diskutieren Sie gemeinsam darüber.
  • Erklären Sie mögliche Beweggründe, weshalb Falschmeldungen gestreut werden, und dass sie gefährlich sind, weil sie Streit und Verwirrung verursachen.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind Online-Tools, die ihm helfen können, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Dazu gehören Apps, Tests, Quiz, Tutorials etc. Leisten Sie Unterstützung bei komplexeren Prüfmethoden wie dem URL-Check oder der Rückwärtssuche einer Bildquelle. → Weitere nützliche Infos
  • Zeigen Sie ihm, wie es bei Recherchen vertrauenswürdige und qualitative Informationen im Internet findet. 

Inhalte melden

  • Ermuntern Sie Ihr Kind, Sie oder eine andere Vertrauensperson zu informieren, wenn es auf unwahre oder verwirrende Inhalte stösst.
  • Melden Sie Fake News und ungeeignete Beiträge auf Social Media-Kanälen (Facebook, Twitter etc.) oder anderen Seiten bei den jeweiligen Betreibern. Es gibt auch Onlinedienste, die Falschnachrichten und andere Manipulationen sammeln (z. B. MimikamaÜbermedien).
  • Besteht der Verdacht auf eine Straftat, sollten Sie einen Screenshot machen und sich damit an die Polizei wenden → Sicherheit & Datenschutz
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Weitere nützliche Infos

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